
Geschichte Verstehen
Wer sind wir?
Die „Historische Gesellschaft Coburg e.V.“ ist aus der „Gesellschaft für Coburger Heimatkunde und Landesgeschichte e.V.“ und diese wiederum aus dem „Coburger Heimatverein e.V.“, gegründet am 06.11.1920, hervorgegangen. Der Sitz der „Historischen Gesellschaft“ und ihrer beiden Vorgänger ist seither über 100 Jahre permanent die Stadt Coburg geblieben. Die „Historische Gesellschaft“ ist als gemeinnütziger Verein im Vereinsregister des Amtsgerichts Coburg eingetragen.
Die Gesellschaft verfolgt in erster Linie den Zweck, die Geschichte des Coburger Raumes, näherhin des einstigen Herzogtums Sachsen-Coburg, mit seinen politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Eigenarten sowie seinen Verflechtungen mit dem fränkischen und thüringischen Nachbarraum zu erforschen und einem breiten Publikum zu präsentieren.
Was wollen wir?
Da Geschichte keineswegs ein reiner Ablauf von Zahlen und Fakten ist, sie sich hingegen in gliederungsfähigen Strukturen von ebenso kollektiv wie individuell betriebenen Geschehnissen zeigen lässt und stets von wiederholbaren Handlungsmechanismen geprägt wird, stellt sich immer auch die Frage nach dem Sinn des Geschehens. Dabei erweist sich Geschichte generell an Werte gebunden und von Normen geleitet. Offen bleibt jedoch, welche Werte und welche Normen sich Geltung verschaffen und zum Fundament von Handeln werden. Geltung wird auf dem Felde der Geschichte erst erstritten.
So unabwägbar, ja so bestreitbar aber das Ergebnis dessen ist, was erstritten wird, so unvermeidlich ist gerade deshalb der Rekurs auf Geschichte als Projektionsfläche von Geltungsbehauptungen. Dies betrifft die gesamte Lebenspraxis – geschichtliches Geschehen auf der Makroebene universaler Räume ebenso wie die Mikroebene regionaler und lokaler Vernetzungen. Folglich sind die stadtgeschichtlichen Aufgabenstellungen der Historischen Gesellschaft Coburg e.V. immer auch einbezogen in die großen Strukturen der Vergangenheit und Gegenwart, betroffen von übergreifenden Geltungskonkurrenzen und Handlungsmechanismen. Im Kleinen entscheiden sich die Werte und Normen auf analoge Weise wie im Großen.
Was leisten wir für Coburg?
Die Stadt Coburg zeigt sich zudem in besonderer Weise davon betroffen. Sie war die erste nationalsozialistische Stadt Deutschlands. 1929 fiel die Mehrheit im Stadtrat an die NSDAP, deren Mitglied Franz Schwede 1931 zum 1. Bürgermeister gewählt wurde. 1935 verkündete Hitler in der Stadt öffentlich, mit Coburg habe er „Polititk gemacht.“ Nach ca. neunjähriger Vorbereitungs- und Forschungsarbeit erschien 2024 ein im Auftrag der Stadt Coburg publiziertes Buch von Dr. Eva Karl im Umfang von 824 Seiten
Eva Karl
„Coburg voran!“
Mechanismen der Macht – Herrschen und Leben in der „ersten nationalsozialistischen Stadt Deutschlands“, Schnell & Steiner, Regensburg 2024 (ISBN 978-3795439453)

Die Historische Gesellschaft Coburg e.V. war in der Person ihres 1. Vorsitzenden, Prof. Dr. Dr. h.c. Gert Melville, der als Sprecher der begleitenden Fachkommission fungierte, an den Forschungsarbeiten beteiligt.
Was machen wir?
Regelmäßig finden Vorträge und Vortragsreihen, Ausstellungen und Exkursionen (Tagesreisen) zu regionalen und universellen Themen statt. Zeitliche Schwerpunkte im regionalen Bereich sind das Mittelalter, die Epoche Herzog Johann Casimirs (1564-1633), das 19. Jahrhundert und die NS-Zeit. Für den universellen Bereich wurde im vergangenen Sommer – angestoßen durch die machtpolitische Weltlage und insbesondere die Gefährdung der demokratischen Freiheiten – die Vortragsreihe „Coburger Gespräche: Kulturelle Werte im Wandel der Zeiten“ ins Leben gerufen. Der erste „Knotenpunkt“ war „Toleranz“ mit drei Vorträgen; der nächste wird „Wahrheit“ sein. Das Motto heißt „Denn im Verstehen liegt die Kraft zum Verantworten und Entgegenhalten“.
Die Zusammenarbeit mit anderen Kulturinstitutionen der Stadt (z. B. die Landesbibliothek, dem Staatsarchiv, dem Stadtarchiv) war und ist der Historischen Gesellschaft ein besonderes Anliegen.
Einen Schwerpunkt der Arbeit von hoher Nachhaltigkeit bilden die eigenständigen Publikationen der Historischen Gesellschaft. In der Regel jährlich erscheint eine Monographie (als Sammelband oder Einzeldarstellung) in einer gesonderten „Schriftenreihe“ sowie der Band einer Fachzeitschrift „Coburger Geschichtsblätter“.